Was ist eigentlich die „movida madrileña“?


Nach Francos Tod 1974 brodelte es in den spanischen Großstädten. Die jungen Leute wollten ihre neu gewonnene Freiheit so weit wie möglich auskosten.

In Madrid brach zu jener Zeit eine kulturelle Revolution aus, wie es sie nie zuvor gegeben hatte. Vor allem Bürgermeister Enrique Tierno Galván unterstützte die Bewegung, und viele verehren ihn bis heute als eine Art „Urvater“ der movida madrileña. Die Stadt organisierte Makro-Konzerte mit internationalen Rock- und Popstars, die dank Subventionen für jedermann erschwinglich waren. Und Stadtviertel wie Malasaña oder Lavapies wurden die neuen Szeneviertel und Hauptschauplätze des Madrider Nachtlebens. Man wollte endlich das Leben führen, das 40 Jahre lang unter Francos Repressionen verboten war.

Madrid war federführend. Von hier aus verbreitete sich die movida in ganz Spanien. Ähnlich wie bei der „Neuen Deutschen Welle“ gründeten sich Gruppen in den neuen angesagten Klubs, von denen viele mittlerweile Kultcharakter haben. Zu den berühmtesten Vertreter gehören Alaska y los Pegamoides, Gabinete Caligari, Nacha Pop oder La Unión. Das Trio Mecano („Hijo de la luna“) wurde auch über die spanischen Grenzen hinaus sehr erfolgreich.

Die movida war nicht nur für Spanien wegweisend. In Westeuropa tummelten sich vor allem britische Gruppen in den Spitzen der Charts, die neueste Sounds, Outfits und Trends frisch aus London mitbrachten. Gruppen wie The Clash und Depeche Mode suchten auch woanders Input und pilgerten nach Madrid, um sich von der movida inspirieren zu lassen.

Auch andere kulturelle Bereiche wurden revolutioniert. Fotografen wie Ouka Lele und Miguel Oriola, oder Maler wie Ceesepe sind alles Kinder der movida. Selbst Andy Warhol reiste 1983 aus dem heimischen New York nach Madrid, um sich das Phänomen der spanischen Kulturrevolution aus nächster Nähe anzusehen. Warhol liebte die Menschen in Madrid: „Die Spanier sind sehr sexy!“, verriet er seinem Freund Chris Makos, der ihn damals auf seiner Reise begleitet hatte.

Besonders erfolgreich wurden Spaniens neue Filmemacher. Der bekannteste Vertreter aus jener Zeit ist Pedro Almodóvar, der Madrid mit Filmen wie „Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs“ oder „Pepi, Luci, Bom“ auch in deutsche Kinosäle brachte. Es war geradezu erstaunlich, die 180º Grad-Wende im katholischen Spanien zu verfolgen.  Almodóvars Streifen „Das Gesetz der Begierde“ oder „Matador“ waren mit ihren Thematiken selbst für den Westen erstaunlich freizügig. Er wollte aufklären und zeigen, was in der Gesellschaft abläuft. All das, was unter Franco viele Jahre lang totgeschwiegen oder gar verboten war. Viele seiner Hauptakteure wurden internationale Stars. Weltberühmte „chicos und chicas Almodóvar“ sind Antonio Banderas und Penélope Cruz. Carmen Maura spielte nicht nur  unvergessen in „Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs“, sondern auch neben Penélope in „Volver“. Rossy de Palma ist vielleicht der schrägste Charakterkopf in Almodóvars Filmen.

Bis heute gibt es viele Kultbars aus der Zeit der movida, die nach wie vor das Madrider Nachtleben aufmischen. Alaska eröffnete damals den Szeneklub Stella (heute das Mondo in der Sala Stella) in der Calle Arlabán und verhalf Anfang der 1990er Jahre dem mythischen Morocco in der Calle Marqués de Leganés zu neuem Leben. Die legendäre Sala El Sol in der Calle Jardines bietet einen prall gefüllten Kalender mit Konzerten, darunter viele Gruppen aus den 1980er Jahren, die bis heute Scharen von Fans anlocken. Und da ist natürlich auch noch Malasaña mit legendären Locations wie La Vía láctea oder El Penta und seinem einzigartigen Mix aus Rockerflair und alternativem Ambiente.

 

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