Kennen Sie Tapas? Über verdreckte Fußböden und spanische Esskultur


Viele, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kneipe in Madrid betreten, sind entsetzt. Rings um die Bar herum tummeln sich Garnelenköpfe, Papierservietten, Olivenkerne und Erdnußschalen auf dem Fußboden. Dieser Zustand ist jedoch keineswegs schändlich und sagt auch überhaupt nichts über die Qualität der Cafeteria aus.

Sie werden sehen, nach spätestens drei Tagen fällt Ihnen der Dreck genauso wenig auf, wie den Einheimischen. Und versuchen Sie bloß nicht, die Madrilenen vom Gegenteil zu überzeugen. Die sind nämlich sehr traditionsbewusst und nur wenig aufnahmefähig für diese Details, wie der verzweifelte Versuch der Stadtverwaltung vor ein paar Jahren zeigte: Man hängte in jeder Bar auf Kniehöhe praktische Abfallkörbe rund um die Theken, die bis heute so gut wie unbenutzt bleiben. Perle vor die Säue werfen, fällt einem dazu nur ein. Also merken Sie sich: Dreckige Fußböden und Tapas gehören zusammen, wie Cristiano Ronaldo und der Real Madrid.

Ein Stück Tortilla, gefüllte Teigtäschchen, Oliven, Meeresfrüchte-Salat, Chorizo-Wurst oder die Paella-Reste vom Vortag – es gibt unzählige Tapas-Varianten, die zum Bierchen zwischendurch gereicht werden und sich mittlerweile auch außerhalb der Grenzen Spaniens gröβter Beliebtheit erfreuen.

Die kleinen Snacks, die kostenlos zu Bier und Wein gereicht werden, lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen, als Kutscher und Fuhrmänner ihren Alltag am Abend mit einer Runde Bier ausklingen ließen. Nicht selten artete der Feierabend in regelrechten Sauforgien aus, und die Kutscher landeten betrunken im Graben.

Um diesen Unfällen vorzubeugen, erließen die Behörden eine, für die Kneipengäste nicht unangenehme, Vorschrift: Zu jedem Glas Bier oder Wein musste ab sofort ein Happen Brot mit Schinken oder Käse gereicht werden. Andere Wirte legten die Wurstscheibe direkt auf das Glas, so bürgerte sich der Name „tapas“ ein. Auf diese Weise wurde verhindert, dass der Alkohol bereits nach dem zweiten Bier das Gehirn vernebelte.

Tapas in Spanien sind heutzutage nicht mehr überall kostenlos. Besonders in Urlaubsgebieten wie an der Costa Blanca reichen die wenigsten Kneipen und Cafeterias gratis Häppchen zum Getränk. Dort müssen Tapas ganz normal von der Karte bestellt werden. In vielen spanischen Städten gibt es aber auch heute noch dieTradition der kostenlosen Tapasgabe, beispielsweise in Madrid oder Sevilla. Einige Kneipen haben es sogar eingeführt, dass man bei jedem neuen Getränk aus verschiedenen Häppchen auswählen kann. Manchmal spart man sich dabei das Abendessen! Tipp: Wer authentische Tapas genieβen möchte, sollte in den Kneipen entlang der Touristenmeilen nicht allzu viel erwarten. Die besten und üppigsten Tapas bekommt man in den Lokalen, die von Einheimischen besucht werden.

 

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